Nicht die Brust, sondern der Darm – ein Gastbeitrag von Thomas Fleischhacker.

Hallo Miteinander. Mein Name ist Thomas Fleischhacker und ich bring ein bisschen Abwechslung in die Runde. Bei mir war es nicht die Brust, sondern der Darm, welcher gemeint hat, er muss nicht so tun wie ich will.


Anfang Mai 2018 besuchte ich das Abschlusskonzert in Ischgl mit Helene Fischer – yeah. Dadurch, dass ich doch einige Leute kenne und es eine gute Runde war, genehmigte ich mir doch das eine oder andere Bier und Weinchen. Schon während der Party hatte ich leichte Bauchschmerzen, die vergingen aber wieder. Am nächsten Tag ging es mir nicht so gut. Komischerweise aber erst am Nachmittag. Ich machte mir keine Gedanken und schob alles auf den feuchtfröhlichen Vortag. Dann hatte ich ca. drei Wochen gar keine Probleme bis es richtig anfing und ich mich, in immer kürzer werdenden Abständen, regelmäßig nach den Mahlzeiten übergeben musste. Irgendwie war mir das nicht ganz geheuer und ich fragte um Rat bei meinem Schwager (Krismer Christoph, Internist im KH Zams). Dieser leitete routinemäßig ein CT ein beruhigte mich aber – ist sicher nur eine Magenverstimmung, nichts Ernstes. Zu allem Überdruss bemerkte ich auch noch, dass ich in kurzer Zeit doch einiges abgenommen habe – Essen und übergeben ist kein guter Rhythmus.

Ich hatte dann sehr schnell das CT und mein Schwager gab mir sofort Bescheid, dass in meinem Dünndarm was ist, was da nicht hingehört. Am nächsten Morgen sofort OP bei Primar Dr. Sandbichler und einen Tag darauf schon Besprechung mit Primar Dr. Wöll. Nach der OP bekam ich nur folgendes mit: Selten, bösartig, aggressiv – das sind Wörter, die man in diesem Zusammenhang nicht hören will. Nach dem Gespräch mit Primar Wöll und meinem Schwager waren wir alle wieder beruhigter. Mir wurde ein Dünndarmkarzinom mit drei befallenen Lymphknoten komplett entfernt – Totalremission. Nichts desto trotz ist mir noch eine Chemo angestanden, da diese bei meinem Alter unumgänglich ist. Zwei Wochen nach der OP am 2. Juli startete ich die Therapie. Mein Rhythmus war folgender: Montag immer eine Flasche (Oxaliplatin – echt hartes Zeug), dann 2 Wochen lang in der Früh und am Abend jeweils 4 Tabletten (Capecel – sind so wie Menthos … 😉 …) und dann eine Woche Pause. Diesen Rhythmus achtmal hintereinander. Ich wusste aber, dass ich am 08. Dezember zum letzten Mal die Tabletten nehme werde – dies war der Tag, an dem die Band Revolverheld ein Open Air Konzert zum Winterstart bei uns am Hochzeiger gegeben hat. Vor der ersten Flasche hatte ich echt Schiss. Was kommt da auf mich zu? Wie geht es mir danach? Die Flaschen waren speziell am Anfang echte Herausforderungen für mich, aber dafür wusste ich, dass ich ca. 2 Tage nach der Flasche schon wieder spazieren gehen konnte und drei bis vier Tage später war ich schon wieder normal arbeiten, jagen und so weiter.

Rückblickend betrachtet war es sicherlich ein großes Plus, dass ich immer sehr viel unterwegs war und somit gute körperliche und geistige Voraussetzungen für diese Zeit hatte. Die Kombination der Medikamente war schon ziemlich stark, durch meine Herangehensweise bin ich aber sehr gut durch die Therapie gekommen. Meine Familie, Freunde und Mitarbeiter unterstützten mich in dieser Zeit gewaltig und ich hatte de facto keine Einschränkungen. Ich musste mich nie übergeben, konnte ein, zwei Tage nach der Flasche schon wieder fast alles machen und habe mich auch nie hängen lassen. Ich weiß, dass es vielen Menschen mit einer Tumorerkrankung bzw. einer Therapie nicht so gut geht wie es mir gegangen ist. Eines kann ich aber jedem mitgeben: es ist nie der richtige Zeitpunkt für eine Erkrankung, es kommt jedoch immer darauf an, wie man das Ganze annimmt und wie man damit umgeht. Lässt man sich hängen, hat man selber nichts davon und vor allem auch nicht diejenigen, welche im Umfeld auch betroffen sind. Bei mir war es nie der „Krebs“ sondern der Tumor und ich machte keine „Chemo“ sondern eine Therapie. Auch diese kleine Sprachwahl half mir. Es kam dann auch der 08.12 und ich durfte das Konzert von Revolverheld am Hochzeiger eröffnen. Die letzten 8 Tabletten habe ich an diesem Tag nicht mehr genommen, dafür mit meiner Familie und Freunden das eine oder andere Gläschen Wein getrunken.

Ein besonderer Dank gilt immer noch meinem Schwager Christoph und meiner Familie und natürlich auch allen Ärzten und Pflegern des KH Zams, welche in einer sehr menschlichen Art und Weise Tumorpatienten auf ihrem Weg sensationell unterstützen.

4 Tage nach der ersten Therapieflasche –
4 Tage nach der ersten Therapieflasche
Ein Selfie mit Johannes Strate von Revolverheld am 08.12. –
Ein Selfie mit Johannes Strate von Revolverheld am 08.12.